Geschichte

   Die Gründung des katholischen Burschenvereines in Pillichsdorf

 

    Im Jahre 1907 kam ein junger, neugeweihter Priester in unsere Gemeinde (Otto Patzel). Er begann, sich mit Feuereifer der Gründung eines Burschenvereines zu widmen. Im Februar 1908 fand im Gemeindegasthaussaal die Gründungsversammlung statt. Es meldeten sich 60 Burschen, die sich bereit erklärten, dem Verein beizutreten. Kooperator Patzel versuchte, auch Burschen aus Obersdorf, das damals noch zur Pfarre Pillichsdorf gehörte, zu gewinnen, aber seine Bemühungen scheiterten. Nun begann die Große Arbeit des Gründers. Die regelmäßigen Monatsversammlungen wurden im Extrazimmer des Gemeindegasthauses abgehalten.

    Bald zeigte sich jedoch, dass die Räumlichkeiten des Gemeindegasthauses, besonders bei größeren Veranstaltungen, zu klein wurde. Ein eigenes Haus war notwendig geworden, in dem sich die Burschen ungehindert und ungestört bewegen konnten. Ein geeigneter Platz wurde gesucht, und man fand ihn bald in dem heutigen Platz, der zum Glück der Gemeinde gehörte. Er war für ein Vereinshaus wie geschaffen. Er lag zentral, mitten im Ort, auf dem Hauptplatz.

    Wohltäter streckten zunächst den notwendigen Geldbetrag vor. Bald war der Plan für das Vereinshaus ausgearbeitet und der Grund kommissioniert. Von Wolkersdorf wurden 100.000 Ziegel herangeführt. Da eine milde Witterung vorherrschte, konnte man schon im Februar mit den Arbeiten beginnen. Die Grundfeste wurde ausgehoben, und am 25.3., Maria Verkündigung, damals noch ein Feiertag, war die feierliche Grundsteinlegung zum Vereinshaus. Der eigentliche Grundstein, ein Betonklotz mit einer Blechkapsel, wurde zwischen den beiden Türen der Vorderfront in die Tiefe versenkt. Die Arbeiten wurden den Sommer über zügig voran getrieben, sodass am 1. August 1909 das neue Haus schlüsselfertig dastand. Am gleichen Tag fand die feierliche Einweihung statt. Pillichsdorf hatte ein Vereinshaus! Das erste Theaterstück, "Josef Speckbacher", ein Tiroler Volksstück wurde bereits am 15. August 1909 im neuen Gebäude aufgeführt.

    Die gesamten Baukosten betrugen 20.000 Kronen. Es musste daher eine Hypothek mit einer Laufzeit und Amortisation von 50 Jahren aufgenommen werden. Als im Jahre 1914 der 1. Weltkrieg begann, mussten zunächst alle 20jährigen Burschen einrücken, später wurden auch noch jüngere eingezogen. Nach dem Krieg musste der Kooperator, es war jetzt Leopold Withofner, wieder mit der Jugend von vorne beginnen. Die Schulden, die auf dem Heime gelastethatten waren aber durch die Inflation leicht zu tilgen.

1974, anlässlich der Feier zum 65jährigen Bestande des Veriensheimes. konnte folgendes festgestellt werden:

Besitzer des Hauses waren (Laut Grundbuch):

a) 1909 katholischer Burschenverein Pillichsdorf
b) 1940 Nationalsozialistische Arbeiterpartei
c) 1950 Republik Österreich
d) Seit 1955 wieder katholischer Burschenverein Pillichsdorf

Vom Bürgermeister Franz Pfaffl:

    65 Jahre Vereinshaus des katholischen Burschenvereins ist für die Jugend Anlass zur Feier und Freude, für die Erwachsenen Grund genug, die erforderliche Arbeit der Jugend anzuerkennen.

    Viele Väter in den Familien, viele Männer im öffentlichen Leben und im Beruf  haben im katholischen Burschenvereins viele Anregungen und das notwendige Rüstzeug erhalten, um ihre Aufgaben als Christen und Österreicher erfüllen zu können. Daher gebührt die Arbeit der Seelsorger, Führer, Aktivisten, und aller Mitglieder der Dank der Gemeinde. Möge der katholische Burschenverein in Pillichsdorf weiter zum Wohle unserer Jugend und unsere Heimat wirken.

Franz Pfaffl, Bürgermeister

 

Die Jugend über ihre Arbeit:

    Immer wieder ist unser Heim Treffpunkt der Burschen und Mädchen, sei es zu gemeinsamen Heimstunden oder zur Unterhaltung. Auch die Leichtathletik und Fussball kommen bei uns nicht zu kurz.

    Auf dem kulturellen Gebiet war und ist die Pillichsdorfer Jugend sehr aktiv, sei es durch Theatheraufführungen  oder durch Volkstanzen. Unzählige Theatheraufführungen gelangten unter den verschiedenste Akteuren und Regisseuren zur Aufführung. Auch das Volkstanzen rief bei allen große   Begeisterung hervor. Auserdem wurden in den letzten Jahren von der Jugend zahlreiche rhythmische  Messen gestaltet.

 

Der Seelsorger und Präses Dechant Heinrich Thurner:

   JUGEND BRAUCHT MENSCHEN, die Verständnis haben für sie. Menschen, denen man widersprechen kann, um die eigene Meinung zu profilieren. Jugendarbeit ist die schwierigste und interessanteste Arbeit des Seelsorgers. So freue ich mich, dass es mir vergönnt ist, bereits 35 Jahre im guten Einvernehmen mit der Jugend zu arbeiten.

    AN DIE JUGEND RICHTE ICH DIE BITTE: Überlasst die Sorgen nicht wenigen Idealisten. Jeder trage seinen Teil dazu bei, dass das Heim und in diesem eine lebendige Jugend weiterbestehe.

    EINE BITTE AN DIE ERWACHSENEN: Jugend hat viel Kraft und Ideen aber wenig finanzielle Mittel. Der Jahrestag der Feier soll Anlass sein zu neuem Verständnis für die Jugend und zur Mithilfe am Vereinshaus, was um so leichter fallen wird, da die Jugend immer wieder kulturelle Veranstaltungen für alle bietet.

    Möge die Jugend von heute im Geiste ihrer Stifter weiterarbeiten. Möge der Herr mit seinem Segen bei unserer Jugend bleiben. Wie vor 2000 Jahren, so baut er auch heute sein Reich mit Idealismus und der Liebe junger Menschen für eine bessere Welt.

 

Der Umbau des "Heimes der Jugend" (Vereinshaus)

   Da das "Heim der Jugend" für größere Veranstaltungen zu klein geworden ist, ebenso die Bühne für das Theaterspielen, und auch keine entsprechenden sanitären Anlagen vorhanden sind, wurde von der Jugend beschlossen, das " Heim" umzubauen und gleichzeitig um die Hälfte zu vergrößern.

    Am 26. Mai 1983 wurde offiziell mit dem Heimumbau begonnen. Als alle Vorbereitungen  getroffen waren, konnten die neuen Grundfesten ausgehoben werden, was sich vor allem an der Grenze zu den beiden Nachbarn als sehr mühsam erwies. Anschließend wurden die Grundfesten in zwei Etappen fertiggestellt. Danach wurden vier Reihen  Schalsteine  aufgesetzt und mit Beton ausgefüllt.

    Erst jetzt begann man mit den eigendlichen Abbrucharbeiten an den hinteren Zubauten, da der anfallende Schutt gleich zum Auffüllen des Raumes bis 30cm unter die Fußbodenoberkante verwendet wurde. Darauf wurde der Rest ca. 36 Kubikmeter Rollschotter eben angefüllt. Die darauf zu betonierende Betonplatte ist beinahe 160 Quatratmeter groß (das eineeinhalbefache des jetzigen Vereinshauses)

      Rückblickend  auf den Verbrauch von Material, Zeit und körperlicher Anstrengung bei all den Jugendlichen, die nach der Arbeit und am Wochenende ihre Freizeit opfern, um unentgeltlich dieser Vorhaben durchzuführen, sagen wir allen einen recht herzlichen Dank. Ebenso möchten wir uns bei denen, die uns ihr Fuhrwerk (es wurden bis jetzt 36 Kubikmeter Rollschotter, 30 Kubikmeter Schotter und 8000kg Zement herbeigeschafft), ihr Werkzeug und Baumaterial zur Verfügung stellen, bedanken und auch bei denen, die ihre Bereitschaft zeigen, uns zu unterstützen.

    Den Burschen ist natürlich für ihren wohltätigen und gemeinnützigen  Zweck die Unterstützung der Pfarre, der Gemeinde, der Diözese und des Landes Niederösterreich sicher (1983).

    Die Arbeiten wurden auch im Jahre 1984 zügig weitergeführt, so das dank dem Fleiße der Jugend, das Pfarrfest zu 25jährigen Jubiläum der Tätigkeit des Herrn Dechants Monsignore Heinrich Thurner in Pillichsdorf am 9. Dezember 1984 bereits im neuen Veriensheimsaale durchgeführt werden konnte.